Thursday, August 26, 2010

Deutschland schafft sich ab

Das ein solches Buch in Deutschland veröffentlicht wird, und das die
FZA nur von Dummheit anstatt von reinstem Rassismus und Nazi-Eugenik
redet, ist betrübend:


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. August 2010

Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab
So wird Deutschland dumm

Thilo Sarrazin hat ein antimuslimisches Dossier verfasst. Das Buch
erscheint am Montag und will elementare Lebenszusammenhänge auf den
Punkt bringen. Der Punkt ist die Allmacht der Genetik.

Von Christian Geyer

Ist es eine gute Idee, den Bundesbanker Thilo Sarrazin zum Testfall
der Meinungsfreiheit in Deutschland zu machen? Es ist keine gute Idee,
weil noch niemand Thilo Sarrazin daran gehindert hat, „kein Blatt vor
den Mund zu nehmen" (Sarrazin). Der Vorstand der Deutschen Bundesbank,
Sozialdemokrat, früherer Berliner Finanzsenator, veröffentlicht
seitenlange Interviews und legt nächste Woche unter dem Titel
„Deutschland schafft sich ab" ein dickes Buch zur Rettung unseres
Landes vor. Niemand unterbindet dies. Dass Sigmar Gabriel seinem
Parteigenossen indirekt den Austritt aus der SPD nahelegte, weil er in
seinem Buch rassistisch argumentiere, ist gerade kein Maulkorb. Es ist
die Artikulation eines Befremdens über Sarrazins „gewalttätige
Aussagen" (Gabriel), die an die Substanz der Partei rühren. Gabriel
inszeniert ja kein Parteiausschlussverfahren, sondern nimmt die Partei
vor ihrem Mitglied in Schutz: „Wenn Sie mich fragen, warum der noch
bei uns Mitglied sein will - das weiß ich auch nicht."

Sarrazins Marktwert würde schlagartig in den Keller fallen, wenn er
selbst aus der SPD austräte oder als Vorstand der Bundesbank
zurückträte. Umgekehrt würde sein Marktwert rapide steigen, wenn er
aus Bank und Partei herausgeworfen würde. Diesen Gefallen tun ihm
weder Bundesbank-Chef Weber, der sich in der Sache ebenfalls scharf
distanzierte, noch SPD-Chef Gabriel.

Ein intellektuelles Potential ist nicht erkennbar

Damit steht die Geschäftsgrundlage für Sarrazins Thesenbau. Erstens:
Das SPD-Mitglied Sarrazin warnt vor den Ausländern. Zweitens: Der
Bundesbanker Sarrazin belehrt unsere Gesellschaft über die genetischen
Grundlagen der Intelligenz. Was so viel wie drittens bedeutet: „Eine
Person des öffentlichen Lebens bringt elementare Lebenszusammenhänge
knapp und klar auf den Punkt" (Sarrazin). Tatsächlich ist das
Elementare bei Sarrazin das Biologische. Kulturell ist bei ihm ein
Deckwort für genetisch. Hat man dies begriffen, liest man Sarrazins
Sorge um die „kulturelle Identität", die „kulturelle Substanz" und den
„Volkscharakter" Deutschlands mit anderen, den richtigen biologischen
Augen. Obwohl halb verschwiegen, tritt die These in seinem Buch klar
hervor: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt
werden - und zwar aus „letztlich" genetischen Gründen.

Mit anderen Worten: „Wir" (als ethnisches Pluralsubjekt) werden auf
natürliche Weise immer dümmer, weil ausgerechnet die kognitiv
minderbemittelten Muslime in unserem Land die meisten Kinder zeugen.
„Die kulturelle Fremdheit muslimischer Migranten könnte relativiert
werden, wenn diese Migranten ein besonderes qualifikatorisches oder
intellektuelles Potential verhießen. Das ist aber nicht erkennbar.
Anzeichen gibt es eher für das Gegenteil, und es ist keineswegs
ausgemacht, dass dies ausschließlich an der durchweg bildungsfernen
Herkunft liegt. So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch
genetische Belastungen - bedingt durch die dort übliche Heirat
zwischen Verwandten - eine erhebliche Rolle und sorgen für einen
überdurchschnittlich hohen Anteil an verschiedenen Erbkrankheiten."

Kritische Gesprächspartner wurden abgelehnt

Neben der Genetik führt Sarrazin auch die andere harte Währung, das
Geld, gegen die Muslime ins Feld: „Wirtschaftlich brauchen wir die
muslimische Migration in Europa nicht." Er tut dies mit dem Gestus des
klinischen Aufkläreres, im gefühlten Stil der neuen Sachlichkeit:
„direkt und schnörkellos", einer gegen die Heerscharen der
„gutmenschelnden Liberalen". „Es geht mir vor allem um Klarheit und
Genauigkeit, die Zeichnung ist daher kräftig, nicht unentschlossen
oder krakelig. Ich habe darauf verzichtet, heikel erscheinende
Sachverhalte mit Wortgirlanden zu umkränzen, mich jedoch um
Sachlichkeit bemüht - die Ergebnisse sind anstößig genug."

Nach Angaben des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben Thilo
Sarrazin und sein Verlag einen kritischen Gesprächspartner auf dem
Podium einer im Haus der Kulturen der Welt geplanten Buchvorstellung
abgelehnt. „Das können wir nicht tolerieren", erklärt Bernd Scherer,
Intendant des Hauses. „Die von uns gewünschte Form der
Auseinandersetzung wird dadurch konterkariert. Bleibt es bei dieser
Haltung von Thilo Sarrazin und des Verlages, wird die Veranstaltung
bei uns nicht stattfinden."

Detektiv Sarrazin sucht belastendes Material

Das Buch wird dadurch eher noch mehr Interesse auf sich ziehen.
Ausführlich und mit entschieden antimuslimischer Pointe referiert
Sarrazin darin die soziobiologischen Annahmen über die genetischen
Grundlagen der Intelligenz. Im Blick auf die überdurchschnittliche
Fertilitätsrate in muslimischen Familien ruft der Autor die
Soziobiologie als seine Referenzwissenschaft auf, welche „der
menschlichen Entwicklung letztlich den Prozess der natürlichen
Selektion zugrunde (legt): Das Erbgut jener verbreitet sich, die am
besten überleben und sich am meisten vermehren. Da die
Überlebenschancen in der modernen Gesellschaft identisch sind,
verbreiten sich die Gene jener am meisten, die die höchste
Fruchtbarkeit haben." Naturgemäß hat da die Politik ihre Chance
verspielt.

Das ganze Buch liest sich wie ein antimuslimisches Dossier auf
genetischer Grundlage. Wie ein verdeckt operierender Detektiv versucht
Sarrazin, aus „elementarer Sicht" belastendes Material gegen Türken,
Afrikaner und Araber zusammenzustellen. Um den Leser für die Genetik
der Intelligenz zu gewinnen, legt Sarrazin die jüdischen Ursprünge der
Intelligenzforschung und deren Verbot durch die Nazis dar. „Ich bin
auf die deutsch-jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung etwas
näher eingegangen, weil die Diskussion der genetischen Komponente von
Intelligenz häufig auf große emotionale Widerstände stößt." Der
Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan
Kramer, hat Sarrazin unterdessen nahelegt, zur NPD zu wechseln.

Für Sarrazin führt kein Weg am Einwanderungsstopp vorbei

Jedes Kapitel bietet eine weitere Facette des biologistischen
Panoptikums. „Das Problem ist nicht, dass die Zahl der Nachfahren von
Menschen mit hoher Bildung von Generation zu Generation schrumpft",
schreibt Sarrazin. „Das wäre nicht so wichtig, wenn alle Menschen
gleich begabt wären, dann wäre Bildung nämlich eine reine
Erziehungsfrage. Da Bildungsgrad und erbliche Intelligenz aber in
einem befruchtenden Zusammenhang stehen, muss es mit der Zeit
abträglich für das intellektuelle Potential der Bevölkerung sein, wenn
Menschen mit hohem Bildungsgrad andauernd eine unterdurchschnittliche
und Menschen mit niedrigem Bildungsgrad andauernd eine
überdurchschnittliche Fertilität haben." Hüsnü Özkanli, der
Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung,
trifft den genetischen Punkt, wenn er einwendet: „Wir tragen zum
deutschen Wirtschaftssystem bei, indem wir Ausbildungs- und
Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugend studiert. Was sollen wir sonst
noch machen, um unseren Integrationswillen zu demonstrieren? Uns die
Haare blond färben?"

Für den um die genetische Qualität der Gesamtgesellschaft besorgten
Autor indessen führt kein Weg am Einwanderungsstopp für die
fertilitätsfreudigen Muslime vorbei: „Die einzig sinnvolle
Handlungsperspektive kann nur sein, weitere Zuwanderung aus dem Nahen
und Mittleren Osten sowie aus Afrika generell zu unterbinden. Dies
erfordert freilich auch, dem hohen und in Zukunft wohl noch wachsenden
Einwanderungsdruck mit Energie entgegenzutreten."

Untergangsgeschichte einer Nation

Damit erübrigen sich alle Überlegungen zu einer kontrollierten
Einwanderungspolitik, sofern sie Muslime betrifft. Sarrazin hat sie
aus genetischen Gründen storniert, bevor sie losgehen kann. Wie hatte
er im „Lettre"-Interview im Herbst letzten Jahres zu Protokoll
gegeben? Araber und Türken, die keine andere produktive Funktion außer
dem Gemüsehandel hätten oder gar von Hartz IV und Transfereinkommen
lebten, müssten sich „auswachsen". Im Kontext des Buches wird das Verb
„auswachsen" zur Chiffre für die biologische Lösung der Integration.
Ungläubig fragte der Interviewer seinerzeit nach: „Wenn Sie sagen
,auswachsen', meinen Sie damit, dass die Leute sterben und sich diese
Schicht nicht wieder neu generiert durch Kinder, Enkel und so weiter?"
Sarrazins Antwort: „Niels Bohr hat gesagt, er hat noch nie jemanden
kennengelernt, der seine wissenschaftliche Meinung geändert hat.
Wissenschaftliche Meinungen sind immer nur ausgestorben. Und das ist
auch sonst so." Der Leser versteht: Muslime in unserem Land lassen
sich nur integrieren, sofern sie aussterben.

Niemand hindert den Autor Thilo Sarrazin an der Propagierung seiner
Thesen. Was nichts daran ändert, dass diesem biologistischen Buch die
kulturelle Geschäftsgrundlage fehlt. „Deutschland schafft sich ab"
erzählt die Untergangsgeschichte einer Nation. Für diesen Untergang
sollen mit den Muslimen nun sechs Prozent der Bevölkerung die
Verantwortung übernehmen. Es fragt sich, was die anderen 94 Prozent in
den letzten Jahrzehnten für die Zukunft ihres Landes getan haben.
Sarrazins Buch ist ein Entlastungsversuch einer desorientierten Elite.
Kein Zweifel, dass es ein Erfolg wird.

Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs
Spiel setzen". Deutsche Verlags-Anstalt, 2010. 464 S., geb., 22,99
Euro

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