Tuesday, June 30, 2009

Afrikanische Söldner in Irak

Der Bund, 30.06.2009:

[...] Der Irak-Krieg ist der meistprivatisierte Krieg in der jüngeren Geschichte. Seit der Invasion 2003 hat das US-Verteidigungsministerium Verträge im Gesamtwert von geschätzten 100 Milliarden Dollar an private Firmen vergeben. Sie erbringen nicht nur Dienstleistungen wie Waschen und Kochen, sondern stellen auch Wachmänner und Personenschützer. Bereits jetzt gibt es im Irak mehr private Sicherheitskräfte als US-Soldaten. Jeder fünfte Dollar, den die US-Regierung im Irak ausgibt, wandert in die Taschen von Privatfirmen, so die Budgetbehörde des Kongresses.

Die billigsten Arbeitskräfte

Die privaten Dienstleister suchen weltweit nach den billigsten Arbeitskräften. So sind von den 50 000 registrierten Wachleuten nur 5000 Amerikaner, 15 000 sind Iraker, und 30 000 kommen aus Ländern wie Chile oder Uganda. Die Rechnung ist einfach: Ugander werden mit 400 Dollar pro Monat abgespeist. Ein Amerikaner oder Europäer verlangt für denselben Job das 20-Fache. [...]

[Arbeitsminister Mwesigwa] Rukutana sieht sich vor einem fast unlösbaren Problem: Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg, in dem sowohl das Militär als auch die Rebellenmiliz zum Grossteil aus Minderjährigen bestand, sind die Mehrheit der Arbeitslosen kampferprobte junge Männer. Die meisten haben keinen Schulabschluss. Dafür sprechen sie fliessend Englisch - eine Erbe aus britischer Kolonialzeit. Sie sind die perfekten Billigsöldner für den privatisierten Krieg im Irak.

Das hat auch Rukutana erkannt. Im Jahr 2005 wurde ein Gesetz über die Auslagerung von Arbeitskräften erlassen. Seitdem hat er die Oberaufsicht über die Verträge zwischen den Sicherheitsfirmen und den Ugandern. Stolz kramt er eine Statistik hervor: Über 12 000 ugandische Sicherheitsmänner arbeiten im Irak. Insgesamt bringen sie 90 Millionen Dollar pro Jahr mit nach Hause. Das macht sieben Prozent des Bruttosozialprodukts. Selbst der wichtigste Exportrohstoff, Kaffee, erwirtschaftet nur 70 Millionen Dollar im Jahr. Rukutana lehnt sich in seinem Ledersessel zurück und schmunzelt: «Die Jungs sind unser lukrativstes Exportprodukt.»

Der Lohn sinkt

Doch Rukutana hat mit sich handeln lassen. Vor einem Jahr betrug das Mindestgehalt noch 1200 Dollar. Es wurde erst auf 900, dann auf 600 und jetzt auf 400 Dollar gesenkt. Warum? Schuld sei der Wettbewerb mit anderen afrikanischen Ländern, sagt Rukutana. Kenya biete seine Männer ebenfalls für 400 Dollar an.