Tuesday, February 24, 2009

Liste der schönen Literatur

Eine anonyme Amazon Rezension von Volker Weidermanns Das Buch der verbrannten Bücher

Am 10. Mai 1933 brannten auf den von Nazis errichteten Scheiterhaufen die Bücher von vierundneunzig deutschsprachigen und siebenunddreißig fremdsprachigen Autoren.

Mit diesem Autodafe, dem Auftakt eines hinreichend bekannten Vernichtungsfeldzugs, gelang den Nazis bereits ein wichtiges Etappenziel: Es wurde nicht nur die deutsche Literatur gleich geschaltet, sie erreichten auch, dass durch das Leben der verfemten Schriftsteller ein nicht mehr zu kittender Riss ging. Für nicht wenige kam die gespenstische, öffentliche Demontage einer völligen Vernichtung ihrer Existenz gleich.

Und das taten die Nazis nachhaltig und wirksam bis heute, fünfundsiebzig Jahre danach. Denn viele Dichter und ihre Werke sind inzwischen völlig dem Vergessen anheim gefallen.

Jürgen Serke hat mit seinem 1977 erschienenen Buch "Die verbrannten Dichter" bereits eine große Leserschaft erreicht. Er hat für sein Buch einen Bruchteil der Autoren interviewt und ihnen damit noch einmal eine große Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.

Nun zu Volker Weidermann, der mit "Das Buch der verbrannten Bücher" erstmals an alle Autoren erinnert, deren Bücher einst vor den Augen der Deutschen in Flammen aufgingen.
Und damit hat er Pionierarbeit geleistet:

Denn der überwiegende Teil der Schriftsteller ist heute gänzlich unbekannt. Die Recherchearbeit für dieses Buch muss mühsam gewesen sein, Volker Weidermann musste sich durch ganze Bibliotheken lesen und bei mehr als einem Namen verliefen seine Nachforschungen im Sande.

Dennoch ist ihm etwas ganz Wunderbares gelungen: Die Lebensläufe und literarischen Ambitionen aller Autoren weitestgehend zu rekonstruieren und sie mit diesem Buch der Nachwelt in prägnanter Form vorzustellen.

Der Leser kann sich auf ein Buch voller Überraschungen einstellen: Denn Weidermann gelingen erhellende und faszinierende Rückblicke nicht nur auf vergessenes Schrifttum. Es entsteht ein Kontext aus Themen und Zeitgeschichte, ein literarisches "Großes und Ganzes".

Und Weidermann kann vor allem eines: Erzählen! Er stellt Zusammenhänge her, die für den Leser nachvollziehbar sind und ganze Zeitströme erklären. So begegnen wir den Autoren immer in einem Verbund, unter einem Motto. Wir treffen Kaffeehausliteraten und die ersten Fantasten, die kommunistisch Geprägten und die religiös Motivierten.
Weidermann verschweigt auch nicht, dass auch ohne Bücherverbrennung einige der Bücher und Autoren heute vergessen wären.

Allein - einem solchen Verbrechen darf Vergessen niemals geschuldet sein und darum ist dies eines von mehreren großen Verdiensten, die sich Weidermann mit diesem Buch erschrieben hat.

Ein wunderbares Nachwort, eine Hommage an den Sammler und Literaturkenner Georg P. Salzmann, der die größte und umfangreichste Literatursammlung der verbrannten Bücher besitzt, rundet ein Buch ab, das nicht nur eine Lücke schließt und einige Autoren erstmals seit 1933 vorstellt. Es ist auch eine glänzend erzählte, durchaus auch unterhaltsame Chronik vergessener Literatur!


Weidermann erklärt:

Das vorliegende Buch beschreibt keinen Ausschnitt. Ich habe die Spuren ausnahmslos aller Autoren verfolgt, die damals auf der ersten schwarzen Liste der Schönen Literatur" standen, die als Grundlage für die Verbrennung diente. Vierundneunzig deutschsprachige Autoren stehen darauf und siebenunddreißig fremdsprachige. Nicht jedes Leben konnte zweifelsfrei von der Geburt bis zum Tod rekonstruiert, nicht jedes Werk gefunden werden. Doch es sind nur wenige Lücken, die bleiben, wenige letzte Zweifel über die Identität von Autoren, die ganz und gar aus den Annalen verschwunden sind. Und immer wieder enden Biografien in diesem Buch mit 'spurlos verschwunden' oder 'der genaue Todestag ist unbekannt'. Es sind die Jahre, in denen Menschen einfach verloren gehen. Ohne Hinweis, ohne letzte Spur.