Sunday, December 14, 2008

Schrumpfende Auslandkorrespondenz

Die NZZ berichtet über die schrumpfende Auslandkorrespondenz in den USA. Ein Exzerpt:

In den USA beklagen Medienexperten das «Verschwinden des Auslandkorrespondenten». Zugleich vertreten Verleger offensiv den Rückzug ihrer Zeitungen vom kostspieligen Geschäft der Auslandbüros. So sagte Brian Tierney, der 2006 den «Philadelphia Inquirer» gekauft hatte, in einem Interview: «Wir brauchen kein Büro in Jerusalem. Was wir brauchen, sind mehr Leute im Büro im südlichen Jersey.» Was in Israel oder im Irak los sei, könne man online mitkriegen.

Dieser Devise scheinen immer mehr US-Zeitungen und Fernsehstationen zu folgen, die auf diese Weise die Kosten von etwa 200 000 Dollar pro Jahr für einen Korrespondenten sparen. Jill Carroll, Reporterin des «Christian Science Monitor», hat in einer Studie für das Joan Shorenstein Center der Harvard Universität die Gesamtzahl der Auslandkorrespondenten der US-Zeitungen ermittelt. Danach ist für 2008 von etwa 140 Journalisten auf Auslandposten auszugehen. 2002 sollen es noch 188 gewesen sein....

Der «Boston Globe» hat im Jahr 2007 seine letzten fünf Auslandkorrespondenten eingespart. Bis dato waren zwei im Nahen Osten, einer in Berlin, einer in Bogotá und einer in Johannesburg auf Posten. Seither behilft man sich mit einem Korrespondenten, der in Washington für die Aussenpolitik zuständig ist, mit gelegentlichen Reportereinsätzen im Ausland – und mit den Auslanddiensten der Nachrichtenagenturen sowie von «New York Times», «Washington-Post» und «Los Angeles Times».

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In den Berichten des Project for Excellence in Journalism liest man, dass 1977 mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Berichterstattung auf den Titelseiten der 16 führenden US-Zeitungen für Auslandnachrichten reserviert gewesen sei. 2008 war es nur noch ein Achtel (13 Prozent). Der Zürcher Sozialwissenschafter Kurt Imhof glaubt, dass die globale Terrorgefahr bis heute nicht in ähnlicher Weise öffentliche Aufmerksamkeit erzeuge, wie dies einst der Kalte Krieg getan habe.