Tuesday, September 2, 2008

Mapuches in Argentina

The Neue Zürcher Zeitung on the Mapuches in Argentina:

Die Mapuche sind die Ureinwohner Patagoniens. Sie leben in Argentinien und in Chile. Die «Menschen der Erde», wie sie sich nennen, vereinen verschiedene indigene Volksgruppen. Insgesamt wird die Zahl der Mapuche auf etwa 800 000 geschätzt.

Ihre politische Situation in Argentinien ist sehr verschieden von der in Chile. Dort sind die Mapuche nicht nur zahlreicher, sondern werden vom Staat unter anderem als Terroristen behandelt. In Argentinien ist das Verhältnis zu den Ureinwohnern etwas weniger angespannt. Ihnen werden auf nationaler Ebene Einflussmöglichkeiten geschaffen, zum Beispiel im Nationalen Institut für indigene Angelegenheiten oder im Umweltministerium. Eine von den Ureinwohnern anerkannte Partei gibt es nicht. Die indigenen Aktivsten lehnen es ab, sich am politischen System in dieser konstitutiven Form zu beteiligen, von dem sie die Anerkennung als autonome Nation fordern. ...

Nach konservativen Schätzungen wurden während der «Eroberung der Wüste» (Conquista del Desierto) mehr als 1000 Indianer umgebracht und etwa 13 000 gefangen genommen. Manchmal nach Jahrzehnten kehrten einige Überlebende wieder in ihre Heimatorte zurück. Verloren hatten sie nicht nur Angehörige, Land und Vieh. Die Schläge und die Verachtung der Weissen hatten ihnen auch ihr Selbstbewusstsein genommen. Etwa die Hälfte der Mapuche ersetzten ihre Naturreligion mit der Zeit durch das Christentum, ihre Kinder lehrten sie nicht mehr die Sprache Mapudungun. Von den etwa 200 000 argentinischen und 600 000 chilenischen Mapuche sprechen sie angeblich noch etwa 440 000. Allerdings beruhen diese Zahlen auf Schätzungen. In Neuquén, einer der Provinzen mit den meisten Mapuche-Gemeinschaften in Argentinien, kennen ihre Mitglieder tatsächlich kaum die Sprache ihrer Grosseltern. ...

Die Mapuche sind seit ein paar Jahren dabei, einige ihre angestammten Gebiete zurückzugewinnen. Seit sie sich 1990 im Entscheidungsgremium der Konföderation der Mapuche von Neuquén von der Kontrolle der Provinzregierung lossagten, treiben sie ihre Sache mit mehr Selbstbewusstsein voran. 1992 entwarfen sie in der Zusammenarbeit mit den chilenischen Mapuche eine Flagge. 1994 begannen die ersten offenen Auseinandersetzungen mit den Behörden. Besonders spektakulär war die Besetzung des Gebietes Pulmarí 1995. Die Mapuche bekamen 45 000 von 120 000 Hektaren zugesprochen. Jedes gegen sie angestrebte Gerichtsverfahren haben sie inzwischen gewonnen. ...